Aktuelle Situation

Ergänzende Verordnung zur aktuellen Düngeverordnung durch das Land Hessen

 

Auf Grundlage des §13 Abs. 2 der Düngeverordnung hat das Land Hessen zusätzliche Maßnahmen erlassen, um in gefährdeten Gebieten den Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Grund- und Oberflächengewässer zu reduzieren. Die vom Land Hessen ausgewiesenen Gebiete sind dem Anhang der Ausführungsverordnung (Anlage AVDüV_2019_08_20) zu entnehmen. Aus dem Beratungsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft sind folgende Gemarkungen bzw. Wasserschutzgebiete (WSG) betroffen:

Gemarkung:   

Leimbach (Heringen (Werra))

Harnrode (Philippsthal)

WSG:  

Hattenbach, Niederaula; Quelle Hattenbach I, Ib und II; WSG-ID 632-104

Rotensee, Hauneck; TB Rotensee (TB Unkengraben); WSG-ID 632-035

Mansbach, Hohenroda; TB Ulstertal; WSG-ID 632-073

 

Die ergänzenden Vorschriften in den §13 Gebieten beziehen sich im Falle von Leimbach und Harnrode auf die gesamte Gemarkung. Bei den betroffenen WSG sind die Vorgaben lediglich in den WSG einzuhalten.

Nach §13 der DüV sind mindestens 3 Maßnahmen aus dem Paragraphen (§13 Abs. 2 Satz 4 Nr. 1-14) umzusetzen. Im Folgenden werden die drei vom Land Hessen gewählten Maßnahmen/Anforderungen kurz vorgestellt:

 

  • 13 Abs. 2 Satz 4 Nr. 2

Vor dem Ausbringen organischer Dünger muss deren Gehalt an N und P bekannt und dokumentiert sein (Wirtschaftsdüngeranalysen im Maßnahmenraum „Nord- Osthessisches Bergland“ können über die Umsetzung der WRRL abgerechnet werden)

 

  • 13 Abs. 2 Satz 4 Nr. 5

Abstandsauflagen zu Oberflächengewässer werden erweitert:

  • 5 Meter Abstand zu Böschungsoberkante, wenn Streubreite > Arbeitsbreite
  • 10 Meter Abstand zu Böschungsoberkante bei Neigung > 10 %
  • bei Neigung > 10 % im Bereich 10 – 20 Meter von Böschungsoberkante Auflagen beachten à unbestellter Acker = sofortige Einarbeitungspflicht; bei Reihenabstand > 45 cm nur bei einer Untersaat oder sofortige Einarbeitung; Reihenabstand < 45 cm nur bei ausreichender Bestandesentwicklung

 

  • 13 Abs. 2 Satz 4 Nr. 12

Der Kontroll-/ Grenzwert im Nährstoffvergleich (NV) auf diesen Flächen liegt bei 40 kg N je Hektar und Jahr

 

D.h. in diesen ausgewiesenen Gebieten muss ein extra Nährstoffvergleich angefertigt werden.

 

Für alle Gebiete, die nicht von einer Verschärfung nach §13 betroffen sind, werden die Anforderungen, die die Betriebe erfüllen müssen, um von der Dokumentationspflicht befreit zu sein, gelockert. Betriebe, die:

  • weniger als 30 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche bewirtschaften (nach Abzug von Flächen für Zierpflanzenbau, Baumschulen, etc. sowie Flächen mit ausschließlicher Weidehaltung ohne zusätzliche Düngung)
  • höchstens 3 ha Sonderkulturen anbauen
  • einen jährlichen Nährstoffanfall aus eigener Tierhaltung von max. 110 kg N je Hektar aufweisen
  • und keine zusätzlichen Wirtschaftsdünger aufnehmen,

brauchen keinen Nährstoffvergleich zu erstellen, benötigen keine Wirtschaftsdüngeranalyse und sind auch von der Pflicht entbunden, eine Düngebedarfsermittlung auszufertigen.

 

Bei Fragen oder Anmerkungen kontaktieren Sie uns.

 

Düngebedarfsermittlung für die Herbstdüngung 2019

 

Eine N-Düngung auf Ackerland ist nach wie vor laut DüV nur zu Gerste nach Getreidevorfrucht (Aussaat bis 1.10), zu Raps und zu Zwischenfrucht (Aussaat bis 15.09) unter Beachtung der 30/60-Regelung und der Sperrfristen zulässig. Der Düngebedarf muss dabei ermittelt und dokumentiert werden. Hier sind die N-Abfuhren möglichst realistisch zu beurteilen. Während die Gerstenerträge im Allgemeinen über dem Durchschnitt (AGLW-Durchschnitt 65 dt/ha) lagen (ausgenommen Unwetterschäden), ist der Ertrag und die Qualität beim Weizen in diesem Jahr oft unterdurchschnittlich (AGLW 70 dt/ha). Dies ist auf die Trockenheit und Hitze im Juni aber auch auf die Erntebedingungen der letzten Wochen zurückzuführen. Der N-Entzug ist dadurch oft überbewertet worden (positive N-Flächensalden), sodass bei der Düngeplanung standortspezifische Abschläge erfolgen sollten. Unter feucht-warmen Bedingungen sollte eine Herbstgabe v. a. zu Wintergerste hinterfragt werden, da unter diesen Umständen oft ausreichend N vorhanden ist und zusätzlich mineralisiert wird. Versuche der AGLW zeigten in der Gerste keinen positiven Effekt auf den Ertrag durch eine Herbstgabe wodurch unnötig das Stickstoffbilanzsaldo erhöht wird. Eine Kalium-Düngung im Herbst ist je nach Bodengehaltsklasse ratsam, um die Winterfestigkeit zu fördern (auf Grund des K/Mg-Aufnahmeantagonismus sollte bei Gaben über 100 kg K2O auch Magnesium ausgebracht werden). Des Weiteren ist auf die Abstandsauflagen zu Gewässern zu achten. Hier an die Novellierung des Hessischen Wassergesetztes denken: in 4 m-Bereich ab Böschungsoberkante (von stetig und periodisch wasserführenden Gräben) kein Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln!

Auch in diesem Jahr muss der Düngebedarf im Herbst ermittelt und dokumentiert werden.

Dazu stellen wir eine Formular bereit um den Herbst-Düngebedarf ordnungsgemäß zu erfassen. Eine zusätzliche Nmin-Beprobung, um einen Düngebedarf zu belegen, ist nicht erforderlich. Im Zuge des Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU gegen Deutschland hinsichtlich der Anpassung der Düngeverordnung wird diese wohl im Frühjahr nächsten Jahres (2020) novelliert zur Gültigkeit kommen. Vor diesem Hintergrund wird das Land Hessen noch in diesem Herbst eine Länderverordnung erlassen, wodurch sich der rechtliche Rahmen ändern könnte.

Stand jetzt (07.2019) gilt nach wie vor: die 30/60-Regelung, die bekannten Sperrfristen, und ein Düngebedarf bei Gerste nach Getreidevorfrucht, zu Winterraps und Zwischenfrüchten (Aussaat bis 15.09).

Dennoch muss die vereinfachte DBE vorliegen, welche Sie in unserem Downloadbereich finden.

 

Strohmanagement

 

Wird das Stroh nach der Ernte nicht im Betrieb oder anderweitig benötigt, so wird es gehäckselt und verbleibt auf dem Feld. Dabei kommt es vor Allem auf die Verteilung des Strohs an und weniger auf die Häcksellänge. Ziel ist es das Stroh gleichmäßig auf die gesamte Arbeitsbreite zu verteilen. Dies ist besonders bei großen Schnittbreiten problematisch. Durch den Häcksler wird das Stroh angeschlagen und somit leichter zugänglich für Mikroorganismen. Die höchste mikrobielle Aktivität herrscht in den ersten 5 cm des Bodens vor. Sobald das Stroh mit dem Boden in Kontakt kommt, beginnt die Rotte (Abbau der organischer Substanz). Somit sollte die Stoppelbearbeitung zunächst das Ziel haben das Stroh mit dem Oberboden zu mischen, was die Rotte extrem fördert. Unter guten Bedingungen (warm und feucht) schreitet die Strohrotte recht zügig voran, sodass im folgenden Frühjahr noch lediglich 50 % des Ausgangsmaterials vorzufinden ist. Ein weiteres Jahr später sind noch gut 10 % vorhanden. Eine regelmäßige „Strohdüngung“ beeinflusst dadurch die Bodenstruktur und das Bodenleben positiv. Die N-Immobilisierung durch die Mikroorganismen zu Beginn der Strohrotte ist stark abhängig vom C/N-Verhältnis und der Masse des Ausgangsmaterials und beträgt rund 1,5-3 kg N je t Stroh. Diese Immobilisierung des Stickstoffs stellt im Herbst jedoch kein Problem dar, da in den Böden im Maßnahmenraum Nord-Osthessisches Bergland ein Stickstoffüberschuss herrscht (3000-9000 kg N/ha). Unter guten Mineralisationsbedingungen wird noch ausreichend N freigesetzt um Wintergetreidebestände zu versorgen. Allerdings kann die Immobilisation in einigen Fällen zu leichten N-Mangelerscheinungen an den Jungbeständen führen, die jedoch nach kurzer Zeit durch das Wurzeln in tiefere Bodenschichten korrigiert werden.  Im Frühjahr kehrt sich der Prozess dann um, sodass ab diesem Zeitpunkt auch N aus dem Stroh pflanzenverfügbar wird.

 

Nachfolgend einige Kulturen und deren Faustzahlen zum Korn-Stroh-Verhältnis:

 

Getreideart

Kornertrag in dt/ha

Korn-Stroh-Verhältnis

Strohertrag in dt/ha

Weizen

85

0,83

71

Gerste

70

0,95

81

Triticale / Roggen

70

1,00

70

Hafer

60

1,10

66

 

Diese Faustzahlen bilden bloß einen groben Richtwert ab. Je nach Sorte und Wachstumsreglereinsatz kann das Verhältnis zwischen Korn und Stroh variieren.

 

 

 

Stoppelbearbeitung

 

Die Stoppelbearbeitung sollte möglichst rasch nach der Ernte erfolgen, um die vorhandene Restfeuchte im Boden zu nutzen. Dies zeigt sich vor allem in Trockenjahren. Die Ziele einer Stoppelbearbeitung:

  • Der Oberboden ist die biologisch aktivste Schicht des Bodens. Die Erntereste wie Stroh sollten gut mit dem organischen Oberbodenhorizont und Teilen des mineralischen Oberbodens (A-Horizont) vermischt werden, um so die Rotte zu fördern
  • Die Kapillarität wird gebrochen und so zunächst Wasser vor Verdunstung geschützt. Eine zu tiefe Bearbeitung trocknet den Oberboden unnötigerweise aus und verhindert so ein rasches keimen von Ausfallgetreide und Unkraut- und Ungrassamen
  • Ausfallgetreide, Unkraut- und Ungrassamen sollen möglichst schnell zur Keimung gebracht werden, um eine mechanische Bekämpfung im nächsten Arbeitsgang zu ermöglichen

Bei der Stoppelbearbeitung sollte auf eine ausreichende Rückverfestigung geachtet werden. Außerdem ist es von Vorteil, wenn der Boden nicht zu viel Kluten aufweist, da unter solchen Bedingungen Samen schlecht auflaufen. Eine Bearbeitungstiefe von 5 cm ist optimal. Bei großen Strohmengen ist es allerdings schwierig auf dieser Tiefe eine ausreichende Durchmischung zu gewährleisten, sodass man dann etwas tiefer gehen sollte. Ein Problem sind die flachkeimenden Ungräser wie Trespen oder Windhalm, die bei zu tiefem „Vergraben“ nicht mehr keimen. Diese Samen kommen dann erst in einem nächsten Bearbeitungsschritt oder ggf. zur Saat in Keimlage. Die Lebensdauer von diesen Samen ist allerdings begrenzt auf ein bis maximal zwei Jahre, wohingegen Samen des Ackerfuchsschwanzes durchaus zehn Jahre keimfähig bleiben.

Bei der Stoppelbearbeitung nach Raps ist darauf zu achten, dass zunächst eine Ruhezeit von 10-14 Tagen auf dem Acker eingehalten wird. In dieser Zeit findet der Ausfallraps in der gehäckselten Rapsstrohschicht optimale Keimbedingungen vor. Leichter Regen oder Taubildung geben schon ausreichend Feuchtigkeit vor. Nach dem Auflaufen der ersten Welle, sollte die Strohschicht bearbeitet werden. Dabei sollte keine oder nur leichte Bodenbearbeitung stattfinden, um die Dormanz weiterer Samen zu brechen. Ein Arbeitsgang mit Wiesenschleppe, Mulcher, Striegel oder flache Bearbeitung mit Scheibenegge oder Grubber sind ratsam. Man sollte immer im Hinterkopf haben, dass selbst bei optimalen Druschbedingungen zirka 1000 Körner je m² als Verluste auf dem Acker landen. Dieses enorme Samenpotenzial sollte man zu einem möglichst hohen Anteil zum Keimen bringen, denn Rapsdurchwuchs verringert den Rapsertrag und fördert Krankheits- und Schädlingsdruck. Ab einer Bearbeitungstiefe von 3-4 cm wird der Raps „vergraben“.

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