Aktuelle Situation

Düngebedarfsermittlung für die Herbstdüngung 2019

 

Eine N-Düngung auf Ackerland ist nach wie vor laut DüV nur zu Gerste nach Getreidevorfrucht (Aussaat bis 1.10), zu Raps und zu Zwischenfrucht (Aussaat bis 15.09) unter Beachtung der 30/60-Regelung und der Sperrfristen zulässig. Der Düngebedarf muss dabei ermittelt und dokumentiert werden. Hier sind die N-Abfuhren möglichst realistisch zu beurteilen. Während die Gerstenerträge im Allgemeinen über dem Durchschnitt (AGLW-Durchschnitt 65 dt/ha) lagen (ausgenommen Unwetterschäden), ist der Ertrag und die Qualität beim Weizen in diesem Jahr oft unterdurchschnittlich (AGLW 70 dt/ha). Dies ist auf die Trockenheit und Hitze im Juni aber auch auf die Erntebedingungen der letzten Wochen zurückzuführen. Der N-Entzug ist dadurch oft überbewertet worden (positive N-Flächensalden), sodass bei der Düngeplanung standortspezifische Abschläge erfolgen sollten. Unter feucht-warmen Bedingungen sollte eine Herbstgabe v. a. zu Wintergerste hinterfragt werden, da unter diesen Umständen oft ausreichend N vorhanden ist und zusätzlich mineralisiert wird. Versuche der AGLW zeigten in der Gerste keinen positiven Effekt auf den Ertrag durch eine Herbstgabe wodurch unnötig das Stickstoffbilanzsaldo erhöht wird. Eine Kalium-Düngung im Herbst ist je nach Bodengehaltsklasse ratsam, um die Winterfestigkeit zu fördern (auf Grund des K/Mg-Aufnahmeantagonismus sollte bei Gaben über 100 kg K2O auch Magnesium ausgebracht werden). Des Weiteren ist auf die Abstandsauflagen zu Gewässern zu achten. Hier an die Novellierung des Hessischen Wassergesetztes denken: in 4 m-Bereich ab Böschungsoberkante (von stetig und periodisch wasserführenden Gräben) kein Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln!

Auch in diesem Jahr muss der Düngebedarf im Herbst ermittelt und dokumentiert werden.

Dazu stellen wir eine Formular bereit um den Herbst-Düngebedarf ordnungsgemäß zu erfassen. Eine zusätzliche Nmin-Beprobung, um einen Düngebedarf zu belegen, ist nicht erforderlich. Im Zuge des Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU gegen Deutschland hinsichtlich der Anpassung der Düngeverordnung wird diese wohl im Frühjahr nächsten Jahres (2020) novelliert zur Gültigkeit kommen. Vor diesem Hintergrund wird das Land Hessen noch in diesem Herbst eine Länderverordnung erlassen, wodurch sich der rechtliche Rahmen ändern könnte.

Stand jetzt (07.2019) gilt nach wie vor: die 30/60-Regelung, die bekannten Sperrfristen, und ein Düngebedarf bei Gerste nach Getreidevorfrucht, zu Winterraps und Zwischenfrüchten (Aussaat bis 15.09).

Dennoch muss die vereinfachte DBE vorliegen, welche Sie in unserem Downloadbereich finden.

 

Strohmanagement

 

Wird das Stroh nach der Ernte nicht im Betrieb oder anderweitig benötigt, so wird es gehäckselt und verbleibt auf dem Feld. Dabei kommt es vor Allem auf die Verteilung des Strohs an und weniger auf die Häcksellänge. Ziel ist es das Stroh gleichmäßig auf die gesamte Arbeitsbreite zu verteilen. Dies ist besonders bei großen Schnittbreiten problematisch. Durch den Häcksler wird das Stroh angeschlagen und somit leichter zugänglich für Mikroorganismen. Die höchste mikrobielle Aktivität herrscht in den ersten 5 cm des Bodens vor. Sobald das Stroh mit dem Boden in Kontakt kommt, beginnt die Rotte (Abbau der organischer Substanz). Somit sollte die Stoppelbearbeitung zunächst das Ziel haben das Stroh mit dem Oberboden zu mischen, was die Rotte extrem fördert. Unter guten Bedingungen (warm und feucht) schreitet die Strohrotte recht zügig voran, sodass im folgenden Frühjahr noch lediglich 50 % des Ausgangsmaterials vorzufinden ist. Ein weiteres Jahr später sind noch gut 10 % vorhanden. Eine regelmäßige „Strohdüngung“ beeinflusst dadurch die Bodenstruktur und das Bodenleben positiv. Die N-Immobilisierung durch die Mikroorganismen zu Beginn der Strohrotte ist stark abhängig vom C/N-Verhältnis und der Masse des Ausgangsmaterials und beträgt rund 1,5-3 kg N je t Stroh. Diese Immobilisierung des Stickstoffs stellt im Herbst jedoch kein Problem dar, da in den Böden im Maßnahmenraum Nord-Osthessisches Bergland ein Stickstoffüberschuss herrscht (3000-9000 kg N/ha). Unter guten Mineralisationsbedingungen wird noch ausreichend N freigesetzt um Wintergetreidebestände zu versorgen. Allerdings kann die Immobilisation in einigen Fällen zu leichten N-Mangelerscheinungen an den Jungbeständen führen, die jedoch nach kurzer Zeit durch das Wurzeln in tiefere Bodenschichten korrigiert werden.  Im Frühjahr kehrt sich der Prozess dann um, sodass ab diesem Zeitpunkt auch N aus dem Stroh pflanzenverfügbar wird.

 

Nachfolgend einige Kulturen und deren Faustzahlen zum Korn-Stroh-Verhältnis:

 

Getreideart

Kornertrag in dt/ha

Korn-Stroh-Verhältnis

Strohertrag in dt/ha

Weizen

85

0,83

71

Gerste

70

0,95

81

Triticale / Roggen

70

1,00

70

Hafer

60

1,10

66

 

Diese Faustzahlen bilden bloß einen groben Richtwert ab. Je nach Sorte und Wachstumsreglereinsatz kann das Verhältnis zwischen Korn und Stroh variieren.

 

 

 

Stoppelbearbeitung

 

Die Stoppelbearbeitung sollte möglichst rasch nach der Ernte erfolgen, um die vorhandene Restfeuchte im Boden zu nutzen. Dies zeigt sich vor allem in Trockenjahren. Die Ziele einer Stoppelbearbeitung:

  • Der Oberboden ist die biologisch aktivste Schicht des Bodens. Die Erntereste wie Stroh sollten gut mit dem organischen Oberbodenhorizont und Teilen des mineralischen Oberbodens (A-Horizont) vermischt werden, um so die Rotte zu fördern
  • Die Kapillarität wird gebrochen und so zunächst Wasser vor Verdunstung geschützt. Eine zu tiefe Bearbeitung trocknet den Oberboden unnötigerweise aus und verhindert so ein rasches keimen von Ausfallgetreide und Unkraut- und Ungrassamen
  • Ausfallgetreide, Unkraut- und Ungrassamen sollen möglichst schnell zur Keimung gebracht werden, um eine mechanische Bekämpfung im nächsten Arbeitsgang zu ermöglichen

Bei der Stoppelbearbeitung sollte auf eine ausreichende Rückverfestigung geachtet werden. Außerdem ist es von Vorteil, wenn der Boden nicht zu viel Kluten aufweist, da unter solchen Bedingungen Samen schlecht auflaufen. Eine Bearbeitungstiefe von 5 cm ist optimal. Bei großen Strohmengen ist es allerdings schwierig auf dieser Tiefe eine ausreichende Durchmischung zu gewährleisten, sodass man dann etwas tiefer gehen sollte. Ein Problem sind die flachkeimenden Ungräser wie Trespen oder Windhalm, die bei zu tiefem „Vergraben“ nicht mehr keimen. Diese Samen kommen dann erst in einem nächsten Bearbeitungsschritt oder ggf. zur Saat in Keimlage. Die Lebensdauer von diesen Samen ist allerdings begrenzt auf ein bis maximal zwei Jahre, wohingegen Samen des Ackerfuchsschwanzes durchaus zehn Jahre keimfähig bleiben.

Bei der Stoppelbearbeitung nach Raps ist darauf zu achten, dass zunächst eine Ruhezeit von 10-14 Tagen auf dem Acker eingehalten wird. In dieser Zeit findet der Ausfallraps in der gehäckselten Rapsstrohschicht optimale Keimbedingungen vor. Leichter Regen oder Taubildung geben schon ausreichend Feuchtigkeit vor. Nach dem Auflaufen der ersten Welle, sollte die Strohschicht bearbeitet werden. Dabei sollte keine oder nur leichte Bodenbearbeitung stattfinden, um die Dormanz weiterer Samen zu brechen. Ein Arbeitsgang mit Wiesenschleppe, Mulcher, Striegel oder flache Bearbeitung mit Scheibenegge oder Grubber sind ratsam. Man sollte immer im Hinterkopf haben, dass selbst bei optimalen Druschbedingungen zirka 1000 Körner je m² als Verluste auf dem Acker landen. Dieses enorme Samenpotenzial sollte man zu einem möglichst hohen Anteil zum Keimen bringen, denn Rapsdurchwuchs verringert den Rapsertrag und fördert Krankheits- und Schädlingsdruck. Ab einer Bearbeitungstiefe von 3-4 cm wird der Raps „vergraben“.

 

 

Frühjahr 2019

Startdüngung

Die warmen Temperaturen der letzten Wochen haben ja schon für einigen Betrieb in der Flur gesorgt. Panisch sollte man jedoch nicht werden. Die hohen Nmin-Werte im Herbst haben sich zum Teil nur unwesentlich verlagert. Die Niederschläge im Dezember und Januar, die zwar überdurchschnittlich waren (94 mm Dez 2018; 74 mm Jan 2019), konnten den Bodenvorrat nur unzureichend auffüllen. Gute Böden mit einer nutzbaren Feldkapazität von > 150 mm werden sicherlich nur wenig Sickerwasser zugelassen haben, sodass wesentlicher Stickstoff noch im oberen Bodenhorizont (bis 60cm) vorhanden ist. Eine Andüngung in den letzten Tagen mit Nitrat-Stickstoff ist in den meisten Fällen sicherlich nicht zu empfehlen gewesen. Ammoniumhaltige Dünger wie Piamon und/oder SSA konnten ggf. ausgebracht werden (vor allem zu Raps). Eine organische Düngung sollte bei guter Befahrbarkeit der Böden passiert sein.

 

Die Wintergerste ist auf vielen Standorten gelb. Das liegt zum Teil an der enormen Blattentwicklung vor dem Winter und den aus den Frosttagen resultierenden Blattverlusten. Aber auch die noch recht kühlen Bodentemperaturen tragen dazu bei. Auch wenn es tagsüber schon recht warm war, so wurde es nachts doch noch frostig. Die Bodentemperaturen kamen bisher insgesamt nicht über 4,5 Grad. Daher ist noch wenig Aktivität im Boden. Das stellt die Gerste zum jetzigen Zeitpunkt jedoch vor keinerlei Probleme. Es sollte in jedem Falle nicht mit einer N-Düngung darauf reagiert werden, denn Stickstoffmangel wird es aktuell wahrscheinlich nicht sein.  Mangan sollte jedoch bei der nächsten PS-Maßnahme in Betracht gezogen werden – 250g Mn/ha –

 

Die hohen Frühjahres-Nmin-Werte (N-Vorrat im Boden im Herbst; N-Umsetzung zum Ende der Vegatation)) sollten in jedem Fall berücksichtigt werden auch vor dem Hintergrund der Düngebedarfsermittlung und des Nährstoffvergleichs. Die Rapsbestände sollten ertraglich richtig eingeschätzt werden, um eine (erneute) unnötige Erhöhung des N-Saldos in diesem Jahr zu vermeiden.

 

Die Startgabe bei Gerste sollte nicht mehr als 40 kgN/ha betragen, da die Gerste meist sehr gut entwickelt in den Winter ging und eine reiche und tiefe Wurzelbildung generiert hat, sodass sie sich den vorhandenen Stickstoff gut aneignen kann. Die zweite Gabe zum Schossen sollte möglichst so terminiert werden, dass die Bestände nicht zu dicht werden. Dies fördert Krankheiten und erhöht die Konkurrenz um Wasser. Es sollte die Triebreduktion abgewartet werden um schwache Triebe zweiter und dritter Ordnung nicht durchzubringen.

 

Bei Weizen kann die Startgabe etwas höher ausfallen (50-60 kgN/ha), da die Wurzeltiefe in vielen Beständen noch nicht so voran geschritten ist, wie bei Gerste. Auch hier wird sich der Weizen dann später den bodenverfügbaren Stickstoff aneignen können, sodass dies im weiteren Verlauf der Vegetation berücksichtigt werden muss, vor allem im Hinblick auf die Bestandesdichte (siehe Gerste).

 

Bestandesdichte Wintergerste:

Mehrzeilig Ähren/m²
Einzelährenertragstyp 500-550
Korndichtetyp 450-550
Bestandesdichtetyp 500-600
Zweizeilig  
Bestandesdichtetyp 1000-1100
Korndichtetyp 900-1000

 

Mikronährstoffe

 

 

 

 

Herbst 2018

Mikronährstoffe und Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichem N-Gehalt

Mikronährstoffe zu Raps und Wintergetreide fördert die Vorwinterentwicklung und steigert die Winterfestigkeit. Die aktuell warmen Bedingungen und die Feuchtigkeit durch vergangene Niederschläge sowie die Taubildung bilden noch günstige Wachstumsbedingungen, sodass auch schwach entwickelte Rapsbestände noch aufholen können. Hier ist eine Bor-Gabe besonders wichtig, um die Wurzelentwicklung zu pushen. Es empfiehlt sich eine Gabe von 200 g Bor/ha.

 

Im Getreide (vor allem bei der Gerste) steht Mangan im Vordergrund. Aber auch Kupfer kann einen wesentlichen Beitrag zur Winterhärte leisten. Bei der Wintergerste empfiehlt sich eine Gabe von 250 g Mangan/ha. Alle anderen Wintergetreide können mit 150-200 g Mangan/ha behandelt werden. 50 g Bor/ha zur Wurzelbildung sowie 30 g Kupfer/ha sind von Vorteil.

 

Einige dieser Nährstoffe finden sich in Blattdüngern in Verbindung mit Stickstoff wieder. Der Gehalt an Stickstoff in diesen Düngemitteln bewegt sich häufig zwischen 3-5 % N in der Frischmasse. Dem zur Folge werden nach DüV die Grenzwerte für wesentliche Stickstoffgehalte von 1,5 % N in der TM überschritten. Auf Grund der Spurennährstoffdünger ist davon auszugehen, dass es sich um „passiven“ Stickstoff handelt. Das bedeutet, dass dieser Stickstoff Bestandteil chemischer Verbindungen ist. Als Beispiele wären hier Mangannitrat, Borethanolamin bzw. alle chelatisierten Mikronährstoffe zu nennen. Dieser Stickstoff zählt damit als unvermeidbarer Bestandteil des Anwendungsmittels.

 

Somit zählt der so ausgebrachte Stickstoff nicht als Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff und darf somit eingesetzt werden.

 

Herbstdüngung

Eine Stickstoffdüngung in diesem Herbst ist nicht notwendig. Durch die lang anhaltende Trockenzeit (niedrige Erträge, geringe Mineralisation, geringe N-Ausnutzung) ist der N-Vorrat im Boden mehr als ausreichend. Dies gilt auch bei Immobilisierung pflanzenverfügbaren Stickstoffs durch Mikroorganismen zur Strohrotte. Durch die lang erwartenden Niederschläge beginnt nun die Vegetation in Gang zu kommen. Die zuvor gehemmte Mineralisation startet nun verstärkt und setzt Stickstoff frei. Tagsüber herrschen im Moment gute bis sehr gute Wachstumsbedingungen, sodass eine optimale Vorwinterentwicklung erreichbar ist, sollte es Nachts nicht dauerhaft zu kalt werden. In der Wintergerste empfiehlt es sich 250 g Mn/ha auszubringen um die Winterfestigkeit zu stärken (ca. BBCH 14). Bei anderen Wintergetreiden kann auf eine Mikronährstoffdüngung im Herbst verzichtet werden (keine signifikante Senkung der Auswinterungsrate in Versuchen nachweisbar). Im Raps sollte 200 g B/ha gegeben werden um die Winterhärte zu verbessern (besonders bei schwachen Beständen!).

 

Wichtige Information zur organischen Düngung und Anbauplanung!

Eine organische Düngung zur Zwischenfrucht ist nur zulässig bei einer Aussaat bis zum 15.09. Bei der anhaltenden trockenen Witterung der letzten Wochen, wird noch nicht viel Aufwuchs vorhanden sein. Sollte auch nach dem erhofften Regen, der Aufgang deutlich geringer sein als erwartet (Samen/Keimling im Boden vertrocknet), kann eine zusätzliche Ausbringung von Senf, sofern dies die Fruchtfolge zulässt, eine günstige Variante sein (Ausbringung mit Streuer), noch etwas Stickstoff aus dem Boden zu binden.

Auf Rapsflächen, die organisch gedüngt wurden, ist ein Umbruch noch vor dem Winter nicht zulässig (es sei denn, Aussaat Wintergerste bis 01.10). Hier wird empfohlen, den spärlichen Raps als Zwischenfruchtaussaat laufen zu lassen, um eine organische Düngung rechtfertigen zu können. Auch hier ist eine zusätzliche kostengünstige Ausbringung von Senf möglich, um noch etwas Stickstoff zu binden. Im Frühjahr kann dann eine Sommerung angebaut werden.

Ist die organische Düngung auf Flächen geschehen die für die Rapsaussaat gedacht waren, die Aussaat auf Grund der Trockenheit jedoch ausblieb, gibt es nur die Möglichkeit bis zum 01.10 Wintergerste auszubringen (Düngung zu Gerste nach Getreidevorfrucht möglich!). Weitere Möglichkeiten eine bereits geschehene Düngung zu rechtfertigen, gibt es nicht.

Generell sollte bei der Ausbringung von Düngern im Herbst ein Düngebedarf vorliegen. Vor diesem Hintergrund ist darauf hinzuweisen, dass durch die Trockenheit (geringe Mineralisation, geringe Umsetzung von Düngemitteln) und die zum Teil niedrigen Erträge auf vielen Schlägen ausreichend Stickstoff im Boden vorhanden ist.

 

Juni-August

 Witterung

Das Erntejahr 2018 ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmejahr. Die Herbstbestellung 2017 fand zum Teil unter sehr feuchten Bedingungen statt. Teilweise konnten ganze Abschnitte nicht bestellt werden. War der Jahresbeginn noch mild und verregnet, kam dann der Winter, der sich bis April zog und so zu einem späten Vegetationsbeginn führte. Die Durchschnittstemperatur im März betrug 2,5 °C (Min. -11,1 °C). In der zweiten Aprilwoche ging dann jedoch schlagartig der „Sommer“ los. Temperaturen über 15 °C, Bodentemperaturen in 5 cm von > 9 °C. Die Maxiumwerte kletterten auf 29 °C! Echte Abkühlung kam danach kaum noch.

 

 

März

April

Mai

Juni

Juli

Boden 5cm MW

4,5

13,2

18,0

18,7

20,4

Temp. MW

2,5

12,8

16,1

18,3

20,8

Min

-11,1

-3,5

-0,5

8,2

7,8

Max

18,7

29,0

30,7

31,6

35,1

 

Der wassergesättigte Boden und die hohen Temperaturen sorgten zunächst für einen Wachstumsschub. Doch im Folgenden blieben Niederschläge rar. Häufig kam Regen dann nur im Zusammenhang mit Unwetter, sodass innerhalb kürzester Zeit zum Teil mehr als 25 mm Regen kamen. Dadurch stimmt in den Monaten April und Mai zwar noch die Regensummen im Vergleich zum Mittel der letzten 17 Jahre. Die Niederschlagsverteilung ist allerdings äußerst ungünstig gewesen zumal der Boden solche Mengen in kurzer Zeit gar nicht aufnehmen kann und es vereinzelt zu erheblichen Erosionsereignissen gekommen ist.

 

Monatssummen

in mm

April

Mai

Juni

Juli

Niedergude

32,1

39,2

6,2

19,8

Eichhof

39,8

65,1

18,6

12

Breitzbach

22

66,4

1,8

16,5

Renda

35,5

62,5

30

15,5

Mittel (1990-2017)

44,9

67,2

63,6

90,7

 

Ab Juni begann dann die Trockenheit. Der Juli brachte keine 20 mm. Dabei ist er mit im Durchschnitt 90 mm der niederschlagreichste Monat.

 

 

 

N-Nachlieferung / N-Pool im Boden

Die Trockenheit in Verbindung mit hoher Sonneneinstrahlung und den hohen Temperaturen sorgten für eine frühe Abreife. Die Ernteerträge waren auf Grund der Witterung im Allgemeinen unterdurchschnittlich. Auf guten Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität konnten zwar auch dieses Jahr hohe Erträge erzielt werden, im Durchschnitt jedoch fielen die Erträge hinter den Erwartungen zu Jahresbeginn zurück. Ein Lichtblick stellen die hohen Qualitäten und die im Moment hohen Marktpreise dar.

Der Raps, eh schon zumeist schlecht in den Winter gekommen, kam durch mangelnde Wurzelentwicklung (auf Grund der Nässe vor Winter) mit dem Stress durch den „Temperaturumsturz“ nicht zurecht. Der frühe Schaderregerbefall tat hier und da sein übriges dazu, sodass die Rapserträge mit den eh schon niedrigeren Erwartungen nicht mithalten konnten.

Auswirkungen:

  1. Die Ertragserwartung, die in der Düngebedarfsermittlung angegeben wurde, wurde häufig nicht erreicht (v.a. beim Raps). Das heißt, sollte man den Düngeraufwand nicht rechtzeitig reduziert haben, steigt das Bilanzsaldo à Grenzwert: 50 kg N/ha und Jahr! Dies sollte man im nächsten Jahr berücksichtigen!
  2. Die N-Effizienz ist durch mangelnde Wirkung niedrig. Es ist also noch Stickstoff aus dem Mineraldünger im Boden und nach Befeuchtung leicht/sofort verfügbar
  3. Durch die Trockenheit sind viele Bodenaggregate aufgebrochen und erhöhen so die Verfügbarkeit von organischer Substanz, da diese nun schneller/leichter durch Mikroorganismen abgebaut werden kann (Mineralisierung)
  4. Durch den Mangel an Bodenwasser ist die mikrobielle Aktivität nahezu zum Erliegen gekommen, sodass ein Mineralisationsstau herrscht

 

  • Sollte es nun zu einer Wiederbefeuchtung durch Regen kommen, ist mit einem exponentiellen Anstieg der mikrobiellen Aktivität zu rechen und somit auf eine erhöhte N-Freisetzung zu schließen!

Die gesteigerte N-Freisetzung und die Verfügbarkeit von mineralischen N-Verbindungen werden zu erhöhten Herbst Nmin-Werten führen!

 

Vor diesem Hintergrund  (erhöhter N-Pools im Boden) und der Belastung der Nährstoffbilanz sollte eine zusätzlich N-Düngung im Herbst unterlassen werden (in der Wintergerste ganz, in Winterrapsbeständen und zu Zwischenfrüchten nur bei Bedarf).

 

 Philipp Pfister, AGLW, Tel.:06623 933207

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